Terminhinweis: Vorabenddemo zum Frauen*kampftag in Wuppertal

Aufruf vom Infoladen Wuppertal zur Vorabend-Nachttanzdemo zum Frauen*kampftag am 7. März in Wuppertal-Elberfeld. Der Treffpunkt ist um 20:00 Uhr im Deweerth’schen Garten.

„Ayayay“ – Oder anders gesagt „Wir haben dieses scheiß Patriarchat satt!“ | anarcha-queer*feministische Nachttanzdemo zum Frauen*kampftag | 7. März 2020 | 20:00 Uhr | Deewerthscher Garten in Wuppertal

Ayayay – dieses Patriarchat mischt ständig mit und nervt!

Ob zu Hause, während der Arbeit, der Uni oder der Schule.
Beim Feiern, auf dem Nachhauseweg, in der Werbung oder beim Einkaufen. Verdammt, es ist einfach überall!
So oft, wie wir da hocken, und die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, so oft, wie wir weinen, schreien, oder traurig sind, genauso oft sind wir wütend. Wütend, weil wir nicht mehr weiter wissen. Doch es gibt diese Momente, in denen wir genau wissen, was zu tun ist. In denen wir uns organisieren und anfangen, feministische Banden zu gründen, sexistische Werbung zu sabotieren und Reproduktionsarbeit zu verweigern. In denen wir überall dort angreifen, wo wir angegriffen werden. Also auf allen Ebenen und zu jeder Zeit.

Ayayay – dieser Faschismus.

Repressive Strukturen, die jegliche emanzipatorischen Ansätze im Keim zu ersticken versuchen, sind so alt, wie die Geschichte des Widerstands selbst. Ein aktuelles Beispiel finden wir in den Frauenmilizen der YPJ, wo immer mehr Frauenbeschließen, aus ihrem alten Leben auszubrechen und gegen den Islamischen Staat zu kämpfen. Zum Dank werden sie nun vom türkischen Staat angegriffen, unterstützt wird die Türkei von den Überbleibseln des IS und, wie könnte es anders sein, dem deutschen Staat. So gilt die Türkei der deutschen Waffenlobby als langjähriger und verlässlicher Abnehmer von Kriegsgerät, wie dem Leopard2 Panzer. Das ist eine riesen Sauerei, wir danken der YPJ und der YPG für die Befreiung vom IS und verurteilen den Angriff auf Kurdistan zutiefst. Denn der Ansatz einer solidarischen, ökologischen und selbstverwalteten Gesellschaft wird massiv bedroht. Gerade die Befreiung und Emanzipation der Frauen spielen in der kurdischen Revolution eine der wichtigsten Rollen. Die Unterdrückung von FLINT* durch das Patriarchat ist kein Nebenwiderspruch und darf auch nicht als solcher behandelt werden. Eine nicht-feministische Revolution ist KEINE Revolution. Unsere kurdischen Freund*innen haben das verstanden, also ist der kurdische Befreiungskampf auch der unsere.

Ayayay – diese kapitalistische Befriedung!

Wie können GRL PWR Shirts feministisch sein, wenn tausende Arbeiter*innen bei der Produktion unter grausamsten Bedingungen massiv ausgebeutet werden, oder wenn die produzierten Größen einer vorgegebenen Körpernorm entsprechen, die viele Menschen ausschließt? Immer öfter ist „Feminismus“ Verkaufsstrategie, wie all zu oft im Textilhandel. Auch wenn ein breiter werdender positiver Bezug zu dem Wort „Feminismus“ begrüßenswert ist, so ist „Feminismus“ weder Style, noch Label. Der kämpferische Ansatz darf weder durch hippen Anstrich, noch durch kapitalistische Verkaufsstrategie befriedet werden. Dadurch werden unsere Forderungen und Ziele aufgeweicht und verlieren ihre Schlagkraft. Die Klarheit des aufständischen Geistes darf nicht durch reformistische Ansätze verwässert werden. Das Frauenwahlrecht wurde auf der Straße erkämpft und nicht freundlich erbeten. Jetzt dürfen sich immerhin alle Geschlechter gleichermaßen von der herrschenden Klasse bei Wahlen betrügen lassen. Doch auch mit wählenden FLINT hat sich an der Unterdrückung nicht viel verändert. Mit niedrigeren Löhnen, meistens im Bereich der Care-Arbeit, wurde der Ruf nach Emanzipation mit kapitalistischer Verwertung erstickt. Jetzt ist es zwar immer noch nicht gut, aber erträglicher und genau das macht Reformismus und Befriedung aus. Oder was bringt eine Frauenquote, wenn wir im prekären- oder Niedriglohnsektor vor uns hinvegetieren? Gar nichts! Ein kleiner Prozentsatz an Menschen hat nun eine kleine Chance mehr, im Kapitalismus durchzustarten. Wir anderen kriegen signalisiert wir könnten das auch schaffen – wenn wir uns nur fleißig genug anstrengen. Dass diejenigen, die die Möglichkeit haben, in solche Quotenberufe zu kommen, fast ausschließlich aus der oberen Gesellschaftschicht kommen, weiß mit deutschem Pass und Cis-Geschlechtlich sind, wird uns verschwiegen. Wieder wird unsere Forderung nach echter Gleichberechtigung befriedet. Was interessiert mich, wer in die Manager*innenetage kommt, wenn ich immer noch bis
zu 20% weniger Lohn kriege als mein cis-männlicher Kollege und in Ausbeutung arbeiten muss? Durch Reformismus werden weder politische Entscheidungen inklusiver, noch Konkurrenzvehältnisse überwunden. Der „Ellenbogenfeminismus“, der erwartet, dass „starke Frauen“ sich im Beruf genauso „durchboxen“ wie „Männer“, führt nicht zu einer solidarischen Gesellschaft, sondern zur Entsolidarisierung und damit zur Vereinzelung unserer Kämpfe.
Uns genügen keine Reformen!

Ayayay – uns reicht’s gewaltig!

Die Zeit, die Hände verzweifelt über dem Kopf zusammen zu schlagen, ist vorbei. Wir haben absolut keinen Bock mehr auf den ganzen Mist, wir wollen nicht mehr kleingehalten werden, wir haben keinen Nerv mehr auf sexistische Sprüche, wir müssen nicht beschützt werden. Schluss mit der Fremdbestimmung über unsere Körper, Schluss mit Femiziden, Schluss mit Gewalt und Unterdrückung.
Wir brauchen keine Politiker*innen, die vermeintlich unsere Positionen vertreten. Wir brauchen keine Chef*innen, die über uns stehen. Wir wissen selbst, was wir können, brauchen und wollen. Lasst uns kämpfen für solidarische Selbstorganisation, gegenseitiges Empowern und Unterstützen – frei von Herrschaft, Staat und Autorität. Lasst uns gemeinsam angreifen, die Repressionsstrukturen überwinden und uns Raum und Zeit erkämpfen, unsere Ideen eines freien und wunderschönen Lebens auszuprobieren. Lasst uns von- und miteinander lernen. Lasst uns Momente schaffen, in denen uns die Angst nichts anhaben kann, weil unsere Träume und Utopien stärker sind. Und weil wir im Herzen daran glauben, dass eine andere Welt möglich ist.


Deshalb laden wir euch ein: Geht mit uns auf die Straße, tanzt in euren Lieblingsoutfits, lasst uns sichtbar, wütend, wild und gefährlich sein. Am 7. März treffen wir uns um 20.00 Uhr im Deweerthschen Garten, um dem Patriarchat zusammen kräftig auf der Nase herum zu tanzen.

Solidarität heißt Angriff! Bildet feministische Banden, organisiert euch.

Heraus zum autonomen 1. Mai in Wuppertal und überall.

P.S: Auf der Demo wollen wir kein raumnehmendes Verhalten, kein Rumgemacker, keine menschenverachtenden Positionen. Auch Symbole und Fahnen von Parteien/ parteinahen Organisationen und autoritären Strukturen haben keinen Platz. Die Demo ist FLINT*-fronted – bitte respektiert das und lasst uns zusammen einen Raum schaffen, in dem wir uns gegenseitig Kraft und Support geben.

Ayayay - anarcha-queer*feministische Nachttanzdemo zum Frauen*kampftag am 7. März 2020 in Wuppertal

2 Kommentare:

  1. [WDR Lokalzeit Bergisches Land] Strafanzeigen nach feministischer Nachttanzdemo

    Nach einer Demonstration in der Nacht zu Sonntag ermittelt die Polizei gegen einzelne Teilnehmer. Etwa 400 Demonstranten haben sich im Rahmen einer angemeldeten Nachttanzdemo friedlich durch die Innenstadt bewegt. Sie wollten sich damit zum Weltfrauentag für die Rechte von Frauen einsetzen. Zum Ende der Demo nahm die Polizei vier Anzeigen und drei Ordnungswidrigkeiten auf – unter anderem, weil einzelne Teilnehmer Beamten beleidigten oder Straßen blockierten.
    Stand: 09.03.2020, 12:09 Uhr

    ———————

    [Radio Wuppertal] Nachttanzdemo in Elberfeld

    Veröffentlicht: Sonntag, 08.03.2020 09:41

    Am Abend ist eine Demonstration für Frauenrechte durch Elberfeld gezogen. Angemeldet vom „Bündnis 8. März“, das mit linksgerichteten und feministischen Gruppen zusammenarbeitet. An der Nachttanzdemo haben laut Polizei rund 300 Demonstranten teilgenommen. Sie liefen vom Deweerth’schen Garten bis zum autonomen Zentrum. Die Polizei habe dabei mehrere Strafanzeigen ausgestellt, unter anderem wegen Nötigung und Beleidigung. Zu größeren Ausschreitungen sei es nicht gekommen.

    https://www.radiowuppertal.de/artikel/nachttanzdemo-in-elberfeld-528751.html

  2. Pressemitteilung zur anarcha-queerfeministischen Nachttanzdemo
    “Ayayay dieses Patriarchat” am 07.03.2020,20.00 Uhr, Deweerthscher Garten

    „Das anarchistische Infoladen Kollektiv organisiert am 07.03.2020 eine Nachttanzdemonstration. Start ist am Deweerthschen Garten und Ziel das Autonome Zentrum.“, so Milly Meißner vom Infoladen Kollektiv. Der Titel der Demonstration, “Ayayay, dieses Patriarchat” . Der Grund für die Versammlung ist der Weltfrauentag am 8. März. Die Veranstalter_innen sehen diesen Tag nicht als Grund, Rosen zu verschenken, sondern als emanzipatorischen Kampftag . „Ziel der Demonstration ist es, unter anderem Gewalt gegen Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, nicht-binäre Personen und Transgender sichtbar zu machen.“, so Milly Meißner weiter. Die Redebeiträge behandeln aber auch Themen wie strukturelle Ausbeutung, Gewalt und Ermordung an diesen Personengruppen. Für die Veranstalter_innen ist die Demonstration eine Gelegenheit, diese Themen anzusprechen. „Für viele ist das alles bitterer Alltag. Es soll sich nicht nur darum drehen, feiern zu gehen, sondern Alternativen für ein selbstbestimmtes Leben aufzuzeigen.“, heißt es dazu. Ein Lösungsansatz, den die Demonstrant_innen sehen, wäre beispielsweise eine Änderung der Abtreibungsgesetze. „Denn es kann nicht sein, dass es schwangeren Menschen immer noch unmöglich gemacht wird, sich Informationen zu beschaffen. Oder dass Ärzt_innen, die Informationen zur Verfügung stellen, vor Gericht stehen.“ ergänzt Milly Meißner, „Einen anderen Ansatz sehen wir darin, Werbungen, die jungen Menschen Körperideale vorleben, abzuschaffen oder zu sabotieren.“.
    Die Demonstrant_innen fordern lautstark gleiche Rechte, gleiche Bezahlung und Selbstbestimmung über ihre Körper.
    Aber nicht nur in Wuppertal, sondern weltweit finden rund um den 8. März eine Vielzahl von Aktionen statt. Gemeinsam haben sie alle, dass sie sich von patriarchalen Strukturen lösen wollen. Für ein herrschaftsfreies Leben, frei von Unterdrückung.

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