Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus in Wuppertal-Vohwinkel

27.1.2011 Befreiungstag von Auschwitz

19:00 Kaiserstrasse/ Ecke Bahnstrasse: Gedenkfeier für die Vohwinkler NS-Opfer

19:30 Bürgerbahnhof Vohwinkel: Zeitzeugenveranstaltung mit Paul Brune, Überlebender der Kindereuthanasie

Paul Brune wurde 1943 als Achtjähriger in die so genannte Kinderfachabteilung der Provinzialheilanstalt Dortmund-Aplerbeck eingewiesen. Hinter der Beschönigung „Kinderfachabteilung“ verbarg sich eine der Tötungsstationen der „Kindereuthanasie“, die allein in Westfalen über 200 Säuglinge, Kinder und Jugendliche traf. Gleichzeitig gingen von Dortmund-Aplerbeck wie von der Klinik Marsberg (Hochsauerlandkreis), wohin Brune später verlegt wurde, auch die Transportaktionen im Rahmen der Erwachsenen-„Euthanasie“ aus. Mit Glück überlebte Paul Brune die Massenmorde der NS-Psychiatrie, doch zu einem hohen Preis: Die Stigmatisierung, „lebensunwert“ zu sein, wurde er nie mehr los. Als angeblicher Psychopath blieb er auch nach Kriegsende gegen seinen Willen in der Psychiatrie und musste erleben, dass die Misshandlungen an Patienten dort praktisch unverändert weiter gingen. Erst 1957 hob ein Gericht die Entmündigung von Brune auf. Er arbeitete hart für ein neues Leben, studierte und wollte Lehrer werden. Doch am Ende seines Studiums holte ihn seine alte „Irrenhausakte“ wieder ein. Ein Amtsarzt attestiert ihm „asoziales Verhalten infolge Erbanlage“. Brune, der heute in Bochum lebt, erkämpfte sich zwar noch sein zweites Staatsexamen, der Weg in den Schuldienst aber blieb ihm verwehrt.

Die Verbrechen des Dritten Reiches im Zeichen der „Rassenhygiene“ und der „Vernichtung unwerten Lebens“ gehören zu den lange wenig beachteten Kapiteln deutscher Zeitgeschichte. Was 1934 mit massenhaften Zwangssterilisationen begann, endete seit 1939 nach Schätzungen für über 200.000 Menschen mit der Ermordung in der so genannten Euthanasie. Die Opfer dieser Verbrechen zählen noch immer zu den weitgehend vergessenen Opfergruppen. Sie selbst und ihre Angehörigen sind häufig bis heute traumatisiert und stigmatisiert.

Veranstalter_innen:
Antifa Referat Universität Wuppertal, Antifa-Café, Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V, Tacheles e.V., VVN-BdA

NRW-NPD weiter uneinig wegen Wuppertaler Nazi-Demo

von NRW rechtsaußen:

W/KR: NRW-NPD weiter uneinig wegen Wuppertaler Neonazi-Demo

Wuppertal/Krefeld – Die Frage, ob man die für den 29. Januar in Wuppertal geplante Neonazi-Demonstration unterstützen soll, sorgt innerhalb der nordrhein-westfälischen NPD offenbar weiterhin für Verwirrung und Konflikte.

Für kurze Zeit veröffentlichte der NPD-Kreisverband Krefeld am Mittwoch den Aufruf zu der Demonstration auf seiner Internetseite. Dort ist er inzwischen kommentarlos aber wieder verschwunden und durch einen Bericht über mögliche Neuwahlen in NRW ersetzt worden. Stattdessen findet sich der Aufruf inzwischen auf der Homepage der nordrhein-westfälischen „Jungen Nationaldemokraten“, samt Kontaktdaten für eine gemeinsame Anreise aus Krefeld.

Wie berichtet, hatte vor wenigen Tagen ein führender Funktionär des regional zuständigen NPD-Kreisverbands Ennepe-Ruhr/Wuppertal deutlich gemacht, dass er vom Demonstrationsmotto „Gegen Antifaschismus und linke Gewalt! – Weg mit dem Autonomen Zentrum!“ und der Demonstrationsroute, die nach dem Willen der Veranstalter zu jenem „Autonomen Zentrum“ führen soll, nicht viel hält.*

Anders als die NPD Ennepe-Ruhr/Wuppertal hatte der Nachbar-Kreisverband der Partei, die NPD Düsseldorf/Mettmann, erklärt, man unterstütze die Demonstration. Die Düsseldorfer NPD stellt auch einen der Redner bei der Veranstaltung. (ts)

* http://nrwrex.wordpress.com/2011/01/18/w-rechter-zwist-wegen-wuppertaler-neonazi-demo/

Rechter Zwist wegen Wuppertaler Nazi-Demo

von NRW rechtsaußen:

W: Rechter Zwist wegen Wuppertaler Neonazi-Demo

Wuppertal – Der NPD-Kreisverband Düsseldorf/Mettmann unterstützt die Neonazi-Demonstration, die am 29. Januar in Wuppertal stattfindet. Der für Wuppertal zuständige Kreisverband der Partei zeigt hingegen bisher keine Begeisterung, am letzten Samstag im Januar unter dem Motto „Gegen Antifaschismus und linke Gewalt! – Weg mit dem Autonomen Zentrum!“ durch die Stadt zu ziehen.

Dass die NPD aus Düsseldorf und Mettmann sich hinter den Demonstrationsaufruf stellen würde, überraschte nicht. Sie gehört zum neonationalsozialistischen Flügel der Partei und hat keine Probleme damit, auch mit militanten „parteifreien“ Neonazis gemeinsame Sache zu machen. Sie soll bei der Demonstration am 29. Januar mit ihrem stellvertretenden Kreisvorsitzenden und Düsseldorfer Ortsvorsitzenden Manfred Breidbach auch einen der Redner stellen.*

Die Skepsis des eher um eine gemäßigter wirkende Außendarstellung der Partei bemühten Kreisverbands Ennepe-Ruhr/Wuppertal gegenüber der Demonstration am 29. Januar wurde deutlich, als ein Mitglied des Kreisvorstands in der vorigen Woche einen Beitrag zum Thema in den Diskussionsspalten einer neonazistischen Internetplattform hinterließ. „Der Meinungsbildungsprozeß im Kreisvorstand ist noch nicht hundertprozentig abgeschlossen, so daß noch ein am WE stattfindendes Gespräch mit einem benachbarten Kreisverband, der diese Demonstration bislang unterstützt, abgewartet werden soll“, ließ er wissen.

Aber er machte schon einmal deutlich, was gegen die Demonstration spricht. Vordergründig richtet sich seine Kritik dagegen, dass sich die Demo, die nach dem Willen der Veranstalter zum „Autonomen Zentrum“ an der Markomannenstraße führen soll**, gegen das falsche Ziel wende: „Bereits jetzt läßt sich jedoch schon feststellen, daß mit einer Demonstration gegen das AZ zwar das dort verortete kriminelle Straßengesindel aufgeschreckt wird, nicht jedoch die eigentlich Verantwortlichen für das verkommene politische Klima in Wuppertal“, schreibt der Kommentator unter einem Autorennamen, den bislang Thorsten Crämer benutzte.

Crämer ist zwar auf dem Papier nur Kreisschatzmeister der NPD Ennepe-Ruhr/Wuppertal, tatsächlich aber die treibende Kraft hinter den Aktivitäten des Kreisverbands. Er sähe es lieber, wenn sich die Demonstration gegen die Wuppertaler „Initiative für Demokratie und Toleranz“ richten würde, dessen Arbeit ihm offenbar deutlich mehr Sorgen bereitet als das „Autonome Zentrum“. Vor allem aber geht es ihm darum, „die NPD in Wuppertal nach Kräften zu stärken“.

Das freilich dürften die „parteifreien“ Neonazis rund um Axel Reitz und Kevin Koch, die Anmelder der Demonstration, ganz anders sehen. Wie zum Beweis dafür präsentierten sie jetzt den Namen eines weiteren Redners der Veranstaltung. Neben Reitz und Koch selbst, dem Düsseldorfer NPDler Breidbach und dem niedersächsischen Neonazi Dieter Riefling soll auch Ingo Haller sprechen. Haller war bis zum vorigen Sommer stellvertretender Landesorganisationsleiter der NPD, Kreisvorsitzender in Düren und exponiertester Vertreter des offen bekennenden NS-Flügels in der Partei.

Nachdem Haller und sein Kreisverband vehement gegen die Ergebnisse eines Landesparteitags polemisiert und dabei auch Crämer selbst massiv attackiert hatten***, war der Dürener Kreisvorsitzende seines Amts enthoben und ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet worden.**** Dass der „bekannte Aktivist“ und „nationale Sozialist“, der „stets energisch gegen eine Verbürgerlichung und Verwässerung von klaren und deutlichen Positionen innerhalb der NPD“ eingetreten sei, nun mit diesen Formulierungen als einer der Redner bei der Wuppertaler Demonstration vorgestellt wird, dürfte die Begeisterung des lokal zuständigen Kreisverbands für die Veranstaltung nicht eben größer werden lassen. (ts)

* http://nrwrex.wordpress.com/2010/10/30/me-rund-150-neonazis-demonstrieren-in-neviges-%e2%80%93-npd-redner-will-%e2%80%9ebis-aufs-blut-gegen-die-uberfremdung-kampfen%e2%80%9c/

und

http://nrwrex.wordpress.com/2010/12/20/dme-neuer-vormann-fur-ns-fraktion-in-der-nordrhein-westfalischen-npd/

** http://nrwrex.wordpress.com/2011/01/09/w-neonazis-wollen-wegen-demo-vor-gericht-ziehen/

*** http://nrwrex.wordpress.com/2010/10/04/acdn-aachener-neonazi-kameradschaft-will-landes-npd-kunftig-als-%e2%80%9epolitischen-gegner%e2%80%9c-behandeln/

und

http://nrwrex.wordpress.com/2010/09/22/nrw-%e2%80%9everbalinjurien-parteischadigenden-charakters%e2%80%9c/

**** http://nrwrex.wordpress.com/2010/10/01/nrw-durener-npd-kreisvorstand-seines-amtes-enthoben-%e2%80%93-drei-ausschlussverfahren-%e2%80%93-umstrittenes-vorstandsmitglied-lasst-amt-ruhen/

Heute/Morgen: ConnACT! – Von der Vernetzung zur Aktion

ConnACT!

Antifaschistische spektrenübergreifende
Konferenz am 14./15. Januar 2011 in Köln

Wann: 14./15. Januar 2011
Wo: Bürgerzentrum Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3, 50670 Köln

Warum diese Konferenz?

Viele Gruppen und Personen, die in Nordrhein-Westfalen antifaschistische Politik machen, haben bereits in der einen oder anderen Weise miteinander zu tun gehabt: Wir sind uns in lokalen Bündnissen begegnet, haben uns bei der Vorbereitung überregionaler Anti-Nazi-Aktivitäten kurzgeschlossen oder sind gemeinsam im nordrhein-westfälischen Bus-Konvoi im Februar 2010 nach Dresden gefahren. Den Rahmen für eine gemeinsame Diskussion gab es bisher kaum. Deswegen möchten wir antifaschistische Gruppen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und interessierte Einzelpersonen einladen, mit uns gemeinsam Strategien und Perspektiven für das Jahr 2011 zu diskutieren.

2011 – Dresden, Stolberg, Köln, Dortmund…

Genug zu tun gibt es allemal: Für das Jahr 2011 stehen bereits mehrere große extrem rechte Events an, gegen die wir gemeinsam und spektrenübergreifend vorgehen wollen. Zu den Aktivitäten gegen den Neonazi-Aufmarsch in Dresden werden wieder, wie in den vergangenen Jahren, Busse aus NRW fahren. Anlässlich des alljährlichen Neonazi-Aufmarsches in Stolberg bei Aachen im April 2011 hat sich ein breites überregionales Bündnis zusammengefunden, das zu Massenblockaden aufruft. Im Mai plant „Pro NRW“ einen „Marsch für die Freiheit“ in Köln. Und im September 2011 steht in Dortmund erneut der „Nationale Antikriegstag“ an, ein zentraler Termin für die neonazistische Szene.

Bisher gibt es gegen diese Aktivitäten keine langfristig angelegten überregionalen spektrenübergreifenden Bündnisse. Ob und wie dies möglich ist, soll ein Thema der Konferenz sein. In den letzten Jahren hatten wir viele Erfolge zu verbuchen, setzten uns aber auch mit teils recht unterschiedlichen Vorstellungen antifaschistischen Engagements auseinander. Auch dies möchten wir mit Euch diskutieren. Und letztendlich möchten wir auch Raum für Vernetzung und gegenseitiges Kennenlernen bieten.

Auf www.antifa-konferenz.de bieten wir euch unter dem Punkt Programm schon vorab einen Überblick über die geplanten Themen & Workshops.