Neonazis kündigen für den 29. Januar eine Demonstration in Wuppertal an

Unter dem Motto „Es ist immer ein Angriff auf uns alle! Gegen Antifaschismus und linke Gewalt!“ wollen Nazis am Samstag, den 29. Januar 2011 eine Demo in Wuppertal-Elberfeld durchführen. Laut Internetseite der Nazis ist der Startpunkt der Demo um 12 Uhr am Wuppertaler Hauptbahnhof. Gerade in Wuppertal sei es für „Nationalisten“ kaum noch möglich, „legales Informationsmaterial zu verbreiten, ohne sich gewalttätigen Übergriffen des linken Mobs ausgesetzt zu sehen“, heißt es in einem Aufruf, der seit heute im Netz verbreitet wird. Für das Impressum zeichnet der Nachwuchsnazi Kevin Koch mit der Adresse Clausewitzstr. 5 in 42389 Wuppertal verantwortlich, der neben dem Wuppertaler Fabian Mayer für das rassistische und NS-veherrlichende Nazi-Medienportal „medinet|west“ aktiv ist.

Die Nähe zum Befreiungs- und Gedenktag von Auschwitz dem 27. Januar und zum 30. Januar, dem Jahrestag der Machtübergabe an die Nazis 1933, ist eine zusätzliche Provokation, die wir nicht hinnehmen werden.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Weitere Infos in Kürze!

*UPDATE*

Die VVN-BdA lädt für morgen, 15.12. um 19:00 in die „Alte Feurwache“ (Gathe 6 – 42105 Wuppertal) zu einem ersten Treffen wegen des Naziaufmarsches am 29.01.2011 in Wuppertal ein.

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Inzwischen wurde das Impressum geändert. Jetzt zeichnet der wegen Körperverletzung vorbestrafte Kölner Paul Breuer verantwortlich.
Anmelder der Nazidemo ist – der ebenfalls vorbestrafte Kölner – Axel Reitz.

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Die ersten Vorbereitungstreffen haben bereits stattgefunden.

Es hat sich ein großes Bündnis unter dem Namen „Wuppertal gegen Nazis“ gebildet. Das nächste Treffen ist am 4. Januar 2011 um 19:00 Uhr im ADA (1. Etage ) Wiesenstrasse/ Ecke Gathe in Wuppertal-Elberfeld.

Am 29. Januar gibt es eine Bündnis-Dauerkundgebung ab 10:30 Uhr an der Schwebebahnstation Döppersberg/ Alte Freiheit.

Angedacht ist auch eine kollektive Besichtigung des Hauptbahnhofes ab 11:30 Uhr. Dazu soll es eine gemeinsame organisierte Zuganreise aus den Städten geben.

Desweiteren finden vom 27. bis 29. Januar Antifa-Actiondays statt. Eine Vorabend-Demo und eine Gedenkveranstaltung in Vohwinkel zum Holocaust-Gedenktag am 27.1 ist in Vorbereitung.

Gefunden: Naziprozess in Wuppertal

Die Westdeutsche Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe am 03. Dezember folgendes:

Streit in der Rechten Szene endete mit Bewährung

von Nicole Bolz

Fünf zum Teil bewaffnete Männer stürmten 2009 eine Wohnung in Vohwinkel

Wuppertal. Es waren schwere Vorwürfe, wegen derer sich gestern fünf Männer im Alter zwischen 19 und 30 Jahren vor dem Amtsgericht verantworten mussten. In den frühen Morgenstunden des 28. Februar 2009 sollen sie laut Anklage in die Wohnung einer Bekannten in Vohwinkel gestürmt sein, in der sich neben der Mieterin noch drei weitere Männer befanden. Während zwei der Angeklagten zwei der Männer in Schach hielten, traten und prügelten die anderen drei auf einen schlafenden und stark alkoholisierten Mann – zum Teil mit Baseballschläger und einem Besenstiel – ein. Das Jugendschöffengericht verurteilte sie zu Bewährungsstrafen zwischen sechs und zehn Monaten sowie in einem Fall zu zwei Wochen Dauerarrest. Zwei Urteile sind rechtskräftig.
Eines der Opfer wurde im Januar zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt

Die Angeklagten – sie sollen, wie auch die mutmaßlichen Opfer, alle der rechten Szene angehören – räumten die Taten gestern weitgehend ein. Um eine politisch motivierte Tat handelte es sich jedoch nicht. Vorangegangen war ein Streit um die Ex-Freundin eines Angeklagten, bei dem er selbst Prügel kassierte. Mit der Aktion wollte er sich dafür rächen.

Als „üble, brutale Tat“ in den „Kreisen Gleichgesinnter“ wertete das Gericht gestern den Überfall, bei dem nur mit Glück nichts „Schlimmeres“ passiert sei, so das Gericht. Eines der Opfer, saß Anfang des Jahres selbst auf der Anklagebank. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde er vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt. Er hatte im Jahr 2008 einem 20-Jährigen den Schädel gebrochen. Er sitzt in dieser Sache derzeit in Haft und wurde für seine Zeugenaussage gestern vorgeführt.

Dokumentation: Zum versuchten Nazi-Überfall auf die Filmpremiere „Das braune Chamäleon“

Im folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung der „Antifaschistischen Initiative Wuppertal“ und weitere Pressemeldungen.

Wuppertal, den 01. Dezember 2010

Antifaschistische Initiative Wuppertal
Pressemitteilung

Zum versuchten Nazi-Überfall auf die Filmpremiere „Das braune Chamäleon“

25-30 Nazis aus Wuppertal, aus dem Wuppertaler Umland, aus Velbert und Solingen haben gestern versucht an der Premiere des Anti-Neonazi-Films „Das braune Chamäleon“ des Medienprojekts im Cinemaxx in Elberfeld teilzunehmen. Sie gelangten zunächst ungehindert in dieser großen Gruppe ins Foyer des Cinemaxx. Nach einigem Hin- und Her riefen die Veranstalter_innen und der Hausherr die Polizei an, die bekanntlich nur wenige Minuten entfernt in der Nähe am Hofkamp und am Polizeipräsidium residiert, um das Hausverbot durchzusetzen. Da diese auch nach 5 Minuten nicht erschienen, übernahm zunächst das 3 (!) köpfige Security-Team das Herausdrängen der Nazis. Weitere antifaschistische Kinogänger_innen schlossen sich dieser richtigen Maßnahme an. Mit Erfolg: Nazis, die frech wurden und zuschlagen wollten, wurden angemessen abgewehrt, ein Nazikamerad, der zunächst auf Antifaschist_innen einschlug, konnte zur unserer großen Freude gefangengenommen werden.

Die Nachwuchsnazis um Mike Dasberg, Fabian Meyer wurden jetzt übermütig und holten ihre Waffen raus, Pfeffergaslöscher und Schlagstöcke kamen zum Einsatz, weil sie ihren Nazikameraden befreien wollten. Durch verschiedene Türen versuchten sie ins Cinemaxx einzudringen und sprühten weiterhin ihr Pfeffergas leer. Andere vermummte Nazis suchten an einer Baustelle Steine, um die Glasfront des Cinemaxx zu attackieren. Der festgehaltene Nazi konnte natürlich nicht mehr befreit werden, er konnte dann doch noch irgenwann der Polizei übergeben werden, die viel zu spät anrückte.
Trotzdem konnte die Polizei 13 Nazis, also die Hälfte der ursprünglichen Gruppe, in der Nähe der Kluser-Treppe festnehmen. Dieser „Fahndungserfolg“ lag aber keineswegs an der polizeilichen Schnelligkeit, sondern an der Dummheit und Ortsunkenntnis der Nazis. Wer im schönen Elberfeld „operieren“ will, sollte sich vorher zumindest mal einen Stadtplan anschauen…

Trotz des gestrigen Misserfolges der Nazis ist das Auftreten der Nazis in dieser Größenordnung besorgniserregend. Mike Dasberg, Fabian Meyer, Kevin Koch, die bekannten Solinger, Leverkusener und Velberter Nazis versuchen seit einigen Monaten wieder in die Offensive zu kommen. Die Wuppertaler Nazis präsentieren sich auf allen Nazidemos der letzten Zeit (Velbert, Remagen) mit eigenen Transparenten ganz offen als Nationale Sozialisten Wuppertal. Kevin Koch und Fabian Meyer filmen und
sprechen für das Nazivideoportal medi west, Kevin Koch hält zusammen mit Axel Reitz langweilige Heldenreden auf Soldatenfriedhöfen um einen Mobilisierungsvideo für das sog. „Heldengedenken“ in München mit Naziinhalt zu füllen. Die Wuppertaler Nazis haben sich dem Möchtegern Hitler von Köln, dem peinlichen Axel Reitz angeschlossen und sind gemeinsam mit anderen Nazigruppen der Region in der AG Rheinland zusammengeschlossen und unterstützen sich auch – wie gestern – bei regionalen Aktionen.

Daher wird die antifaschistische Selbsthilfe immer notwendiger. Die Nazis sind zum Glück noch sehr schwach. Wenn wir ihnen auf der Straße (ohne Polizei) begegnen, sind sie nicht sehr kampfstark. Auch die Flugblattaktionen der Nazis in den letzten Wochen konnten sehr schnell von kleinen Gruppen von antifaschistischen Passant_innen unterbunden werden. Sie laufen immer schnell weg und das soll auch so bleiben.

Verbündet euch!
Lasst den Nazis keine Ruhe!
Organisiert euch!

Antifaschist_innen aus Elberfeld, Vohwinkel, Barmen, Loh, Heckinghausen, Ronsdorf, Nächstebreck Langerfeld und Cronenberg

Angehängte Fotos:
Naziaufmarsch in Velbert - Oktober 2010

Marie Leder und andere halten das Fronttransparent der 'Nationalen Sozialisten Wuppertal'

Naziaufmarsch in Velbert - Oktober 2010

Hinter dem Transparent stehen Yvonne Faust und Mike Dasberg

rechts Kevin Koch mit Kamera

links Kevin Koch - rechts Axel Reitz

links Fabian Mayer

Wuppertaler Nazis in Remagen

Pressemitteilung Medienprojekt Wuppertal:

Rechtsradikale stören im Wuppertaler CinemaxX die Premiere des Aufklärungsfilms »Das braune Chamäleon«

Die Premiere des neuen Dokumentarfilms »Das braue Chamäleon« wurde am gestrigen Abend im Wuppertaler CinemaxX von Rechtsradikalen gestört. 15 bis 20 junge Rechtsradikale randalierten im Foyer des Kinos, griffen einen Ordner an und sprühten Pfefferspray gegen Kinobesucher/innen. Außerdem wurden von ihnen rechtsradikale Chöre skandiert. Bei der Aktion wurde ein Ordner verletzt und viele Besucher/innen hatten durch das Pfefferspray der Rechten Reizungen in den Augen. Beim Eintreffen der Polizei flüchteten die Rechten, einer von ihnen konnte durch einen Ordner festgenommen und der Polizei übergeben werden. Die Filmpremiere wurde mit einiger Verspätung dann mit anschließender Diskussion durchgeführt. Im Verlauf des Abends konnten 12 weitere beteiligte Rechtsradikale in der Stadt von der Polizei festgenommen werden.

Die Dokumentation »Das Braune Chamäleon« wurde in den letzten 18 Monaten vom Medienprojekt Wuppertal mit Jugendlichen produziert. Thema des Aufklärungsfilms sind die verschiedenen aktuellen Erscheinungsformen von Rechtsextremismus. Die Produktion wurde gefördert im Rahmen des Bundesprogramms »VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie«. Der Film wird seit der Uraufführung bundesweit als Bildungsmittel vertrieben unter www.medienprojekt-wuppertal.de

Das braune Chamäleon

Die Erscheinungsform von Rechtsextremen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Sie sind oft auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. Neonazis geben sich einen modernen Anschein, der kaum zu unterscheiden ist von anderen Subkulturen. Rechtspopulisten wie die Mitglieder der »Pro-Bewegung« versuchen, sich bürgernah zu geben. Der Film beschreibt diese Strömungen aus verschiedenen Blickwinkeln:

* Hans-Peter Kilgus vom NS-Dokumentationszentrum Köln beschreibt Ausprägungen der rechten Szene.
* Matthias Adrian war Funktionär bei der NPD. Er distanzierte sich nach und nach von der rechtsextremen Ideologie. Er berichtet von Erlebnissen als organisierter Neonazi.
* Andreas ist als 11jähriger zu einer Gruppe Rechtsradikaler gestoßen. Er beschreibt, welchen Reiz sie auf ihn ausübte.
* Schüler und Lehrer berichten über den Umgang mit der Thematik Rechtsextremismus an der Schule.
* Veranstaltungen von »Pro-NRW« und von »Autonomen Nationalisten« sowie Gegenkundgebungen werden dokumentiert.

Außerdem behandelt der Film die Frage, welche Möglichkeiten des Widerstandes möglich und sinnvoll sind.

Das Medienprojekt Wuppertal

Das Medienprojekt Wuppertal konzipiert und realisiert seit 1992 erfolgreich Modellprojekte aktiver Jugendvideoarbeit unter dem Motto »das bestmögliche Video für das größtmögliche Publikum«. Innerhalb kurzer Zeit hat sich das Medienprojekt zur bundesweit größten und ambitioniertesten Jugendvideoproduktion entwickelt. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14-28 Jahren werden produktorientiert bei ihren eigenen Videoproduktionen unterstützt, ihre Videos im Kino, in Schulen, Jugendeinrichtungen etc. in Wuppertal präsentiert und als Bildungsmittel bundesweit vertrieben. Alle Projekte dienen der aktiven Medienerziehung und dem kreativen Ausdruck jugendlicher Ästhetiken, Meinungen und Lebensinhalte.

Die Filme werden bundesweit sehr erfolgreich über einen eigenen Verlag vertrieben und erreichen so mehrere hunderttausend ZuschauerInnen. Auf Grund ihrer professionellen Form und ihrer authentischen, inhaltlichen Dichte sind die Wuppertaler Jugendvideoproduktionen die meistgesehenen Jugendvideoproduktionen deutschlandweit. Sie erreichten in den letzten Jahren Preisträgerschaften bei allen wesentlichen regionalen, bundesweiten und europäischen Jugendvideofestivals und werden regelmäßig quer durch alle Kanäle im Fernsehen gesendet. Erfolgreiche Schwerpunkte der Arbeit sind seit Jahren Videoprojekte zur Gewaltprävention, geschlechtsspezifische und Antidiskriminierungsprojekte.

Besuchen Sie auf unserer Internetseite:
Video »Jugendliche und Rechtsextremismus«

Hier erfahren Sie mehr über das Medienprojekt:
Medienprojekt Wuppertal
Jugendvideoproduktion und -vertrieb

Hofaue 59, 42103 Wuppertal
Fon: 0202-563 26 47
Fax: 0202-446 86 91
info@medienprojekt-wuppertal.de
www.medienprojekt-wuppertal.de
© 2010 Medienprojekt Wuppertal

Pressemeldungen:

Westdeutsche Zeitung vom 02.12.2010

Attacke mit Reizgas: Neonazis frei
Die Kripo ermittelt wegen Landfriedensbruchs.

Wuppertal. Nachdem sie in einem Wuppertaler Kino Reizgas versprüht haben sollen, wird gegen 13 Männer wegen Landfriedensbruchs ermittelt. Der Staatsschutz rechnet einen Teil der Verdächtigen einer rechtsnationalen Szene im Wuppertaler Westen zu. Bei dem Reizgas-Angriff am Dienstagabend gab es vier Leichtverletzte. Laut Polizei hatten sich die teilweise vermummten Verdächtigen als „schwarzer Block“ Zutritt zum Kino verschaffen wollen, um einen Aufklärungsfilm des vielfach ausgezeichneten Medienprojektes Wuppertal über Rechtsradikale zu stören.

Alle 13 Tatverdächtige sind wieder auf freiem Fuß

Nach kurzer Flucht wurden 13 Personen gefasst. Fünf von ihnen sind minderjährig und wurden noch in der Nacht ihren Erziehungsberechtigten übergeben. Die übrigen Tatverdächtigen im Alter zwischen 18 und 25 Jahre kamen gestern auf freien Fuß. Die Ermittlungen dauern an. spa

Westdeutsche Zeitung vom 02.12.2010

Neonazis: Neue Szene im Visier

Nach dem Reizgas-Angriff im Cinemaxx ermittelt der Staatsschutz wegen Landfriedensbruchs. Im Fokus steht eine neue Szene in Vohwinkel.

Von Andreas Spiegelhauer

Angehörige einer neuen rechtsradikalen Szene in Vohwinkel sollen für den Reizgas-Angriff am Dienstagabend im Cinemaxx – dort zeigte das Medienprojekt einen Aufklärungsfilm über rechtsradikale Szenen – verantwortlich sein (Kasten rechts). Wie gestern berichtet, nahm die Polizei noch am Abend 13 Männer fest. Der Vorwurf: Landfriedensbruch. Unter den 13 sind fünf Minderjährige (15 und 17 Jahre alt), die nicht in Wuppertal (Essen, Düsseldorf, Mühlheim, Frechen, Grevenbroich) wohnen. Sie wurden noch in der Nacht den Erziehungsberechtigten beziehungsweise der Jugendschutzstelle übergeben.

„Ich bin sehr froh, dass es so glimpflich abgegangen ist.“
Detlef Bell, Cinemaxx-Chef

Sechs von den acht weiteren Tatverdächtigen im Alter von 18 bis 25 Jahre stammen laut Polizei aus Wuppertal. Der Staatsschutz rechnet sie besagter Neonazi-Szene zu, die ihren Treffpunkt in der Nähe des Vohwinkeler Bahnhofs hat. Bis gestern befanden sich die acht Männer im Polizeigewahrsam und wurden verhört. Einige der Verdächtigen ausgesagt haben. Haftbefehle wurden nicht beantragt. Im Laufe des Nachmittags kamen die Männer wieder auf freien Fuß.

Staatsschutz: Gruppierung ist ohne erkennbare Führung

Dem Staatsschutz ist schon länger bekannt, dass es in Vohwinkel eine neue rechtsradikale Szene gibt. Die setze sich aus etwa 15 jungen Männern zusammen. Die Gruppe sei ohne erkennbare Führungsstruktur und werde den „autonomen Rechtsnationalisten“ zugerechnet.

Bislang wurde die neue Szene lediglich mit Hetz-Aufklebern im Bereich Hammerstein in Verbindung gebracht. Prügeleien habe es zwischen Rechts- und Linksradikalen gegeben, hat der Staatsschutz schon vor Wochen auf Nachfrage der WZ bestätigt. Allerdings sei wegen Ressentiments gegen die Polizei damals keine Anzeige erstattet worden.

Seit Dienstagabend muss die Szene neu bewertet werden. „Die Freilassung der Tatverdächtigen bedeutet nicht das Ende der Ermittlungen“, sagte ein Polizei-Sprecher gestern. Auch Cinemaxx-Chef Detlef Bell hat Anzeige erstattet. Er lobte gestern das Eingreifen der Polizei: „Aus meiner Sicht war das schnell und effizient. Ich bin sehr froh, dass es so glimpflich abgegangen ist.“ Wie berichtet, waren vier Personen von Reizgas getroffen worden, das die mutmaßlichen Neonazis im Eingang zum Cinemaxx-Foyer versprüht haben sollen. Laut Polizei handelt es sich bei den Opfern um Mitarbeiter des Kinos und des vom Medienprojekt für den Abend engagierten Sicherheitsdienstes. Ernstlich verletzt wurde laut Polizei niemand.

Verbindung zu rechtsradikalen Parteien bislang nicht erkennbar

Auch deswegen sah die Staatsanwaltschaft keine Handhabe, einen Haftbefehl zu beantragen. Einschlägig vorbestraft sei keiner der Verdächtigen. Beim Reizgas-Angriff an der Kluse sei keine übergeordnete Führung erkennbar.

Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass sich die mutmaßlichen Neonazis via Internet oder Handy verabredet haben. Zwei Verdächtige reisten aus Köln, einer aus dem Raum Koblenz an. Eine Verbindung zu rechtsradikalen Parteien oder Organisationen sei bislang nicht erkennbar, hieß es gestern. Die Ermittlungen dauern an.

Hintergrund:

Film
Der Reizgas-Angriff ereignete sich vor der Vorführung des Aufklärungsfilms „Das braune Chamäleon“. Das Medienprojekt führt seit Jahren im Cinemaxx Filme zu unterschiedlichen Themen vor, die auch als Unterrichtsmaterial vorgesehen sind. Auch „Das braune Chamäleon“ ist von mehreren Wuppertaler Schulen angefordert worden. Die Stadt unterstützt das Medienprojekt mit etwa 50 000 Euro pro Jahr.

Angriff
Laut Zeugen sollen sich die teils vermummten Neonazis in den Doppeltüren zum Cinemaxx-Foyer „wie ein schwarzer Block“ formiert und Parolen skandiert haben. Darauf habe es „Nazis raus“-Rufe gegeben und dann die Reizgas-Attacke. Cinemaxx-Mitarbeiter und der vom Medienprojekt engagierte dreiköpfige Sicherheitsdienst sollen die Verdächtigen aus dem Gebäude gedrängt haben. Laut Zeugen haben die Ausgesperrten mit Steinen geworfen und mit einem Totschläger gegen die Glaswand geschlagen. Trotz des Vorfalls wurde der Kino-Betrieb kaum gestört. Keine Vorstellung fiel aus. spa

taz vom 02.12.2010

Neonazi-Angriff auf Kino abgewehrt

Sie kamen, um die Ausstrahlung der Dokumentation „Das Braune Chamäleon“ zu verhindern: Mit Pfefferspray ausgerüstete Neonazis haben versucht, ein Kino zu stürmen. VON Pascal Beucker

KÖLN taz | In Wuppertal ist eine Gruppe Neonazis mit ihrem Versuch gescheitert, die Premiere eines Dokumentarfilms zum Thema Jugendliche und Rechtsextremismus zu sprengen. Die 15 bis 20 schwarz gekleideten und teilweise maskierten Männer hatten sich am Dienstagabend Zutritt zum Foyer des Wuppertaler CinemaxX verschafft. Dort skandierten sie rechtsextreme Parolen und versprühten Pfefferspray. Schließlich gelang es Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes, die rechten Randalierer aus dem Gebäude zu drängen.

Bei der Auseinandersetzung wurde ein Ordner leicht verletzt. Mehrere vom Reizgas getroffene Besucher mussten ambulant behandelt werden. Mit einiger Verspätung konnte die Filmaufführung trotzdem stattfinden. Im Rahmen einer umgehend eingeleiteten Fahndung nahm die Polizei 13 Tatverdächtige vorläufig fest. „Sie sind allesamt der rechten Szene zuzuordnen“, sagte eine Polizeisprecherin der taz. Die Ermittlungen dauerten an.

Ziel der rechten Attacke war die Dokumentation „Das Braune Chamäleon“. In dem vom Medienprojekt Wuppertal gemeinsam mit Jugendlichen produzierten Film werden die verschiedenen aktuellen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik dargestellt: von der NPD und den „Autonomen Nationalisten“ bis zur „Bürgerbewegung Pro Köln“.

Nur wenige Stunden vor dem neonazistischen Überfall in Wuppertal bestätigte das Verwaltungsgericht Berlin am Dienstag, dass die Filmemacher ihr Augenmerk zu Recht auch auf diese sich grundgesetztreu gerierende Vereinigung richten. Es wies ihre Klage gegen die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht ab. Bei „Pro Köln“ lägen tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen vor, urteilten die Richter.

Der Wuppertaler Neonazi-Angriff ist die zweite derartige Tat in Nordrhein-Westfalen in kürzester Zeit. Nur zwei Tage zuvor hatten Neonazis im ostwestfälischen Minden einen Reggae-Abend in der alternativen Szenekneipe „Hamburger Hof“ überfallen. Laut Zeugenaussagen stürmten fünf bis acht Vermummte mit „Heil-Hitler“- und „Sieg-Heil“-Rufen das Lokal und beschimpften die Partygäste als „Zecken“, denen man mal zeigen müsse, wem die Stadt gehöre.

Die Täter verwüsteten Teile der Einrichtung und schlugen einen 25-jährigen Eritrear nieder. Danach entkamen sie unerkannt. Die Fahndung nach ihnen blieb bisher erfolglos. Die Mindener Polizei geht von einer „offensichtlich geplanten Tat“ aus. Der Staatsschutz Bielefeld hat die Ermittlungen übernommen.

dpa vom 02.12.2010

Rechte Randalierer sprühen Reizgas

WUPPERTAL – Rechte Randalierer haben am Dienstagabend in einem Wuppertaler Kino die Vorführung eines Films gestört, der die rechte Szene kritisch beleuchtet. Wie die Polizei mitteilte, stürmten etwa 15 Rechtsextremisten das Kinofoyer und sprühten mit Reizgas um sich. Sie wurden vom Sicherheitspersonal aus dem Kino gedrängt. Die Polizei nahm 13 Randalierer fest. Verletzt wurde niemand.
Die zum Teil maskierten Täter wollten die Vorführung des Films „Das braune Chamäleon“ stören, sagte der Sprecher der Polizei, Christof Billen. Der Film dokumentiert das Leben von Jugendlichen im rechten Milieu. (dpa)

Bild (bundesweit) vom 02.12.2010

Rechte Randalierer sprühen Pfefferspray in Kino

Dortmund – Weil sie den Film „Das braune Chamäleon“ stören wollten, stürmten 15 rechte Randalierer in ein Kino in Wuppertal (NRW). Dort versprühten sie dann im Foyer Reizgas. Die Polizei nahm 13 Rechtsradikale fest. Verletzt wurde zum Glück niemand. Der Film dokumentiert das Leben von Jugendlichen im rechten Milieu.

Express vom 02.12.2010

Reizgas-Angriff

Wuppertal – 13 Störer haben einen Film über die rechte Szene mit einem Reizgas-Angriff gestört. Mehrere Besucher wurden leicht verletzt. Die Täter wurden gefasst – Strafanzeige!